Katalogeintrag
Technische Infos
Medium: VHS
Spielfilm s/w
Deutschland, 1931
Freigabe: FSK ab 16 Jahren
Filmlänge: 95 Minuten
Keywords: Kriminalfilm, Filmgeschichte
Filmkatalog
Leihanfrage



M - eine Stadt sucht einen Mörder
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Nero |
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Ernst Wolff |
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Fritz Lang |
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Fritz Lang, Thea von Harbou , nach einem Zeitungsbericht von Egon Jacobson |
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Fritz Arno Wagner, Karl Vash |
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Paul Falkenberg |
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Edward Grieg |
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Theodor Loos, Georg John, Otto Wernicke, Theo Lingen, Inge Landgut, Gerhard Bienert, Rosa Valetti, Gustav Gründgens, Peter Lorre, Paul Kemp, Ellen Widmann, Hertha von Walther, Karl Platen, Friedrich Gnass, Ernst Stahl-Nachbaur, Fritz Odemar, Rudolf Blümner |
"Ein Mörder, der es auf kleine Mädchen abgesehen hat, beunruhigt die Bevölkerung. Die Anstrengungen der Polizei unter der Leitung von Kriminalkommissar Lohmann bleiben ergebnislos, bringen allerdings die Berufsverbrecher wegen der andauernden Razzien auf den Plan. Die Verbrecher entschließen sich, den Mörder auf eigene Faust unschädlich zumachen. Bettler und Stadtstreicher schließen sich der Jagd auf den Mörder an. Einem Straßenhändler gelingt es, den Gesuchten mit einem großen M aus Kreise auf dem Rücken zu kennzeichnen. In einem Verwaltungsgebäude wird er von seinen Häschern aus der Unterwelt gefangen genommen und anschließend vor das Tribunal der Verbrecher gestellt. Kurz bevor die Verbrecher den Mörder lynchen wollen, erscheint die Polizei und kann die Selbstjustiz verhindern." Quelle: Videoumschlag
Kritik:
Der Film "beruht zum Teil auf einer damals gerade aktuellen Serie von Massen- und Kindermorden, benutzt das Thema jedoch weniger zur Spannungsmache als zur ironischen Darstellung sozialer Verhältnisse. Die Massenhysterie nimmt hier schon einen breiten Raum ein, und die effiziente Organisation der Unterwelt sowie ihr Erfolg bei der Aufspürung des Mörders verdeutlichen in Inkompetenz der Polizei. Der grimmige Humor dieses Kontrastes macht "M" zu einem überraschenderweise oft komischen Film, dessen Implikationen jedoch sehr wohl verstanden wurden - auch von den Nazis, die gegen den ursprünglichen Titel "Mörder unter uns" protestierten." (Buchers Enzyklopädie des Films)
"[…] Fritz Langs erster Tonfilm gehört zu den Meisterwerken des deutschen Vorkriegskinos. Verweise auf das gesellschaftliche Klima der Weimarer Republik am Vorabend des Nationalsozialismus sind augenfällig: Obrigkeit und Unterwelt erscheinen als gleichartige Organisationen, die den 'Abartigen' im Namen des 'gesunden Volksempfindens' gemeinsam zur Strecke bringen.
Langs sarkastische Schilderung vom Menschenjagd und Massenhysterie sowie Peter Lorres geniale Interpretation des Mörders als Täter und Opfer zugleich wurden von den Nationalsozialisten später nicht ohne Grund als subversiv empfunden. [...]" (Lexikon des internationalen Films)
Materialien zum Film:
" […] In einer bis zuletzt atemlos spannenden Mischung aus Thriller, Gangsterfilm und Psychodrama, mit einzelnen Momenten des sozialen Melodramas und der Gesellschaftssatire, realisierte Fritz Lang seinen vielfach als Meisterwerk angesehenen Film. Die Figurenkonstellation folgt einem ge-nau kalkulierten System aus sich bedingenden, sich gegenüberstehenden, kontrastierenden oder sich ergänzenden Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen, so daß ins-gesamt, in allmählicher Entwicklung der erzählten Kriminalgeschichte, ein komplexes Netz individueller, sozialer und dramatischer Bezüge entsteht. In diesem Netz hängt und fängt sich die Titelfigur, zuerst ohne es zu ahnen, dann ohne es zu fassen, schließlich ohne es verhindern zu kön-nen.
Langs Spannungsdramaturgie arbeitet mit angstbesetzter Verbrechenserwartung, mitreißender Verfolgungsjagd, kalkulierten Zufällen; er fesselt das Publikum nicht nur auf der Oberfläche der Handlung, sondern führt es in die Tiefen-schicht der Motive. [...]
Die Bildsprache und Bewegung der Kamera, von der Kritik als für die Zeit unüberbietbar gerühmt, greift im-mer wieder, allerdings verändernd, auf die Licht-Schatten-Tradition des expressionistischen Films zurück, um sie ei-ner sachlich-nüchternen Chiaroscuro-Welt unterzuordnen. Lichtquellen werden, wie im späteren "Film noir", völlig un-naturalistisch gesetzt, einzig der Intensivierung der Szene dienend. Tempo und Rhythmus des Schnitts dynamisieren im ständigen Wechsel aus ruhig-langsamen und hektisch-lauten Situationen den inneren und äußeren Handlungsverlauf. Entscheidend für die Montagestruktur ist die Verwen-dung des Tons als dramaturgisches Element. Lang war sich in seinem ersten Tonfilm der neuen Möglichkeiten dieses Mediums vollkommen bewußt. In erstaunlich perfekt und vielseitig durchkomponierter Bild-Ton-Montage wechseln On- und Off-Ton, trennen sich Tonebene und Bildgeschehen, verklammert der Ton verschiedene Orte, intensiviert durch sein plötzliches Fehlen die eintretende Stille, 'betont' den Ablauf der Zeit. (Vogt, Guntram: M - eine Stadt sucht einen Mörder. - In: Filmklassiker : Beschreibungen und Kommentare / hrsg. von Thomas Koebner unter Mitarb. von Kerstin-Luise Neumann. Red. Mitarb.: Julia Gerdes. - 2., durchges. und erw. Aufl. - Bd. 1: 1913 - 1946. - Stuttgart : Reclam, 1998. - S. 231 - 232)
Der Film sollte auch "die Karriere von Peter Lorre begründen, der hier seinen ersten Leinwandauftritt hatte. Fritz Lang war auf Lorre zu Beginn des Jahres 1930 während einer Vorführung von Wedekinds Frühlingserwachen aufmerksam geworden und fragte ihn, ob er bereit wäre, eine Filmrolle zu übernehmen. Lorre zeigte sich wenig begeistert, hielt er sich doch aufgrund seiner geringen Größe von 162 cm als Filmschauspieler für denkbar ungeeignet. Als das Projekt aber realisiert werden sollte, war er mit seiner Mitwirkung einverstanden." (Das große cinema Filmlexikon)
Über das 1951 von Joseph Losey in Hollywood gedrehte Remake von "M", äußerte sich Lang 1965 in der französischen Zeitschrift "Cahiers du cinema" wie folgt: "Es ist weder möglich noch erstrebenswert, ein Remake von M zu machen. Der Originalfilm war völlig [...] gebunden an die Kriminalität in der deutschen Sozialstruktur der 30er Jahre - das ist eine Situation, die man unmöglich in die Vereinigten Staaten transponieren kann". (zitiert nach " Das große cinema Filmlexikon)
Literatur:
* Freund, Rudolf: M - Mörder unter uns. - In: - Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933 : Ein Filmführer / hrsg. von Günther Dahlke und Günter Karl. - Berlin : Henschel, 1988. - S. 254 - 257
*Fritz Lang : Leben und Werk. Bilder und Dokumente / hrsg. von Rolf Aurich, Wolfgang Jacobsen und Cornelius Schnauber unter Mitarb. von Nicole Brunnhuber ... - Berlin : Filmmuseum Berlin - Deutsche Kinemathek ; Berlin : jovis Verl., 2001. - S. 137 - 170
*M- ein Film-Klassiker. - In: Maibohm, Ludwig: Fritz lang und seine Filme. - 3. Aufl. - München : Heyne, 1990. - S. 136 - 158
*Prucha, Martin: M - eine Stadt sucht einen Mörder. - In: Reclams Lexikon des deutschen Films /hrsg. von Thomas Kramer. - Stuttgart : Reclam, 1995. - S. 204
*Sadoul, Georges: Geschichte der Filmkunst / Georges Sadoul. Red. von Hans Winge. - Erw. deutschspr. Ausg. - Wien : Schönbrunn-Verl.,1957. -- u.a. S. 238 - 239
*Toeplitz, Jerzy: Geschichte des Films. Bd. 2: 1928 - 1933. - Berlin : Henschel, 1985. - u.a. S. 214 - 216
*Vogt, Guntram: M - eine Stadt sucht einen Mörder. - In: Filmklassiker : Beschreibungen und Kommentare / hrsg. von Thomas Koebner unter Mitarb. von Kerstin-Luise Neumann. Red. Mitarb.: Julia Gerdes. - 2., durchges. und erw. Aufl. - Bd. 1: 1913 - 1946. - Stuttgart : Reclam, 1998. - S. 228 - 233
