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Katalogeintrag

Technische Infos

Medium: VHS

Spielfilm

DDR, 1949

Freigabe: FSK ab 6 Jahren

Filmlänge: 99 Minuten

Keywords: Nachkriegszeit, Arbeit, Familie

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Bild zum Film: Unser täglich Brot
Bild zum Film: Unser täglich Brot
Bild zum Film: Unser täglich Brot

Unser täglich Brot

Produktion

DEFA

Produzent

Fritz Klotzsch

Regie

Slatan Dudow

Drehbuch

Slatan Dudow, Hans-Joachim Beyer, Ludwig Turek

Kamera

Robert Baberske

Schnitt

Margarete Steinborn

Musik

Hanns Eisler

Darsteller

Erna Sellmer, Paul Bildt, Viktoria von Ballasko, Inge Landgut, Harry Hindemith, Paul Edwin Roth, Alfred Balthoff, Walter Gross, Ina Halley, Angelika Hurwicz, Irene Korb, Siegmar Schneider, Herbert Weissbach, Friedrich Gnass, Peter Marx, Dolores Holve, Eduard Wandrey, Hellmut Helsig, Erich Dunskus, Hans Emons, Karl Hannemann, Friedrich Honna, Gert Schäfer, Hans Schille, Albert Venohr, Gitta Günther, Dorit Günther

Man schreibt das Jahr 1946. In der Familie Webers gibt es mehr als genug Probleme: Es fehlt an Arbeit und (fast auch) am täglichen Brot. Der Vater, einst Kassenverwalter in einer großen Maschinenfabrik, sitzt untätig zu Hause und versteht die Welt nicht mehr. Aber wenigstens versucht er, die alte patriarchalische Ordnung daheim aufrecht zu erhalten. Während der älteste Sohn, Ernst, in einem volkseigenen Betrieb tätig wird - einer ehemaligen Maschinenfabrik - widersetzen sich Vater Webers und der jüngere Sohn Harry strikt der Möglichkeit, dort zu arbeiten. Vor allem der Alte hält an den Prinzipien des kapitalistischen Unternehmertums fest und misstraut zutiefst den neuen Wirtschaftsformen. Harry verlässt das Elternhaus, will die 'rasche Mark' und wird zum Schieber, allerdings mit wenig Erfolg. Er kommt immer mehr unter die Räder. Ernst wird von Vater aus der Wohnung geworfen. Zu widersetzlich empfand der Alte das Verhalten des Sohnes. Aber der Preis für Webers ist nun völlige Einsamkeit. Eines Abends wird er auf der Straße von seinem Sohn Harry niedergeschlagen. Sein Brot wird ihm geraubt. Das Erlebnis führt zu einer tief greifenden Wandlung: Nach schweren inneren Kämpfen begibt sich Webers in den volkseigenen Betrieb, den sein Sohn Ernst mit aufgebaut hat, und beginnt dort zu arbeiten. Sein Leben, und das seiner Familie, erhält wieder einen Sinn, wenngleich teuer dafür bezahlt wurde. Quelle: Videoumschlag

Materialien zum Film :
Mit seinem Film Unser täglich Brot setzte der gebürtige Bulgare Slatan Dudow als einziger der damals bei der DEFA engagierten Regisseure die Traditionen des proletarischen Films vor 1933 fort und schaffte damit, nicht nur durch die Wahl der Thematik sondern auch durch gestalterische Eigenarten, eine richtungweisende Vorlage für die DEFA-Filmproduktionen des nächsten Jahrzehntes.
"Ebenso wie in seinem Vorkriegsklassiker [Kuhle Wampe (1932)] war auch in Dudows erstem Nachkriegsfilm wieder der Familientisch Austragungsort kontroverser politischer Debatten. Die Konfliktkonstellation hat das Übersichtliche eines Lehrstückes. Zwischen dem guten und dem bösen Sohn steht der alte Vater, der zu spät hinter dem Imponiergehabe des einen den moralischen Abgrund und hinter der scheinbaren Lebensuntüchtigkeit des anderen dessen Selbstlosigkeit erkennt. Dudows Filme setzen auf die Kraft des Wortes [...]. Eine unbedachte Formulierung im Streit um "unser täglich Brot" spaltet die Familie Webers endgültig, nimmt dem Vater jedes gesunde Urteilsvermögen und bringt ihn in tödliche Gefahr. Die Überbetonung des Wortes lässt die Bildsprache verkümmern, besonders bei den Diskussionen am Tisch ist streckenweise die Einfallslosigkeit des Arrangements und der Kamera nicht zu übersehen. Für seine Arbeit brauchte Dudow keine differenzierten Charaktere. Der moralische Frontverlauf ist eindeutig. Übergelaufen wird nicht. Nur Vater Webers erhält die Chance, sich zu verändern. Zwei Arbeiter, die an pointierten Stellen des Films ihre Skepsis mit Worten demonstrieren, sie aber durch die zupackende Tat ad absurdum führen, übernehmen den kommentierenden Part, der die Handlung anhält und dem Zuschauer Zeit lässt, das Geschehen zu überdenken. Packend ist der Film dort, wo Dudow seine starke Seite zeigt, mit einer Geste, einem Blick, dem unbewussten Alltagsverhalten einer Person ihr soziales Umfeld, ihre Position im Figurenensemble schlagartig zu erhellen, manchmal sogar etwas von ihrer Geschichte durchblicken zu lassen. [...] So bedarf es in Unser täglich Brot nur der stummen Geste der armen Verwandten, die sich über dem Ausguss in der Küche die Hände wäscht, um die psychische Verfassung des alten Webers zu charakterisieren. Dieser reagiert unverständlich aufgebracht: Noch haben wir ein Badezimmer!Die Selbstverständlichkeit, mit der proletarische Gewohnheiten in seinen Lebensraum dringen, bedroht seine Welt, die er mit "Vatermörder" und "eigener Kaffeetasse", Requisiten einer hierarchischen Ordnung, eigensinnig verteidigt. Die Normalität, die Alltäglichkeit des Verhaltens, trifft ihn offenbar empfindlicher als die Demonstration "proletarischer Denkweise" am Familientisch. Die Brecht-Schauspielerin Angelika Hurwitz in dieser Szene und Alfred Balthoff in der wie nebenbei erzählten Episode mit dem jüdischen Ingenieur, der durch Webers' Tochter an seine eigene erinnert wird, die er verloren hat, gehören zu den stärksten Eindrücken. Sie geben dem Film eine emotionale Ebene, die er in seinen "Hauptszenen" selten erreicht. Dudow hat sich an einem neuen spröden Thema versucht - der Rechtfertigung volkseigener Eigentumsverhältnisse - und war dabei bemüht, auf erzählerische Konventionen zu verzichten. Die filmkünstlerische Revolution blieb jedoch aus, der Film zeigt eher eine gewisse Anfälligkeit für Anforderungen des sozialistischen Realismus. Ihm fehlt der Schwung und die Kraft, die Herbert Ihering in der Musik von Hans Eisler entdeckt hatte. Er nannte sie "das Ereignis", das ihn an die großen Zeiten des russischen und des deutschen Films vor 1933 erinnert habe. "Sie griff an, sie packte zu, sie konzentrierte. Die übliche illustrierende Filmmusik, die wir von Hunderten von Filmen in den Ohren haben, war weggewischt." (Mückenberger, Christiane: Zeit der Hoffnung 1946 bis 1949. - In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. DEFA-Spielfilme 1946-1992 / Ralf Schenk (Red.). Mit Beitr. von Christiane Mückenberger, Ralf Schenk, Erika Richter ... Hrsg. vom Filmmuseum Potsdam. - Berlin : Henschel, 1994. - S. 38)

Literatur:
*Schulz, Michael: Unser täglich Brot. - In: Reclams Lexikon des deutschen Films. Stuttgart : Reclam, 1995. - S. 319
Weichen für die Zukunft. - In: Mückenberger, Christiane: "Sie sehen selbst, Sie hören selbst ..." : Die DEFA von ihren Anfängen bis 1949 / Christine Mückenberger ; Günter Jordan. - Marburg : Hitzeroth, 1994. - (Aufblende ; 7). - S. 181-186
*Unser täglich Brot. - In: DEFA-Spielfilme 1946-1964 : Filmografie / Zusammenst. und Red. Günter Schulz. Mitarb. Doris Hackbarth, Gisela Hofmann, Kurt Rohrmoser ... - Berlin: Staatliches Filmarchiv der DDR, 1989. - (Film-Archiv ; 4). - S. 34-35
*Unser täglich Brot. - In: Habel, F.-B.: Das große Lexikon der DEFA-Spielfilme : Die vollständige Dokumentation aller DEFA-Spielfilme von 1946 bis 1993 / F.-B. Habel. Mit Inhaltsang. von Renate Biehl. - Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2000. - S. 642-643

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