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Katalogeintrag

Technische Infos

Medium: VHS

Spielfilm

DDR, 1957

Freigabe: FSK ab 6 Jahen, empfohlen ab 6 Jahren

Filmlänge: 75 Minuten

Keywords: Literaturverfilmung, Märchen, Kinderfilm

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Bild zum Film: Das singende, klingende Bäumchen
Bild zum Film: Das singende, klingende Bäumchen
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Das singende, klingende Bäumchen

Produktion

DEFA / Gruppe "Jugend- und Kinderfilmproduktion

Produzent

Alexander Lösche

Regie

Francesco Stefani

Drehbuch

Francesco Stefani, Anne Geelhaar, nach einem Fragment der Brüder Grimm

Kamera

Karl Plintzner

Schnitt

Christa Wernicke

Musik

Heinz-Friedel Heddenhausen

Darsteller

Christel Bodenstein, Charles Hans Vogt, Eckart Dux, Richard Krüger, Dorothea Thiesing, Fredy Barten, Egon Vogel, Anne-Maria Besendahl, Günther Polensen, Friedrich Teitge, Paul Knopf, Paul Pfingst

"Es war einmal eine verwöhnte Prinzessin mit Namen Tausendschön, die nur den zum Manne wollte, der ihr ein singendes, klingendes Bäumchen bringen würde. Ein Prinz fand nach langem Suchen endlich das wunderbare Bäumchen. Doch es gehörte einem Zwerg, der es ihm nur unter einer Bedingung überlassen wollte: Der Prinz müsse bis zum Sonnenuntergang die Liebe der Prinzessin gewinnen oder ihn würde ein schreckliches Schicksal treffen. Doch die Prinzessin wies den armen Prinzen hochmütig zurück."
Quelle: Videoumschlag

Auszeichnungen:
Bronzemedaille auf dem Filmfestival Calcutaa, 1973

Kritik:
"Schönheit gepaart mit Eitelkeit und Selbstsucht muß im herkömmlichen Märchen für dramatische Entwicklungen sorgen, denn eigentlich bilden das Gute und das Schöne eine Einheit. Und wenn dies sich anfangs nicht so darstellt, wird die Heldin auf eine lange Reise geschickt, bei der sie nach zahlreichen Prüfungen ihre häßliche Seele abwerfen kann, auf daß am Ende ihr Inneres ebenso erstrahle wie ihr Äußeres. Einfach und überschaubar wird dem jüngsten Publikum eine schlichte Fabel erzählt, deren vordergründige Moral problemlos nachvollziehbar ist: Selbstsucht macht häßlich und einsam. Doch wenn das Böse in Gestalt eines schwarzhaarigen, schmutzigen Mädchens oder als zwergwüchsiger Mensch erscheint, wird die einfache Dramaturgie äußerst fragwürdig. Die Figuren und deren Handlungs- und Beziehungsstrukturen auf ihren ideologischen Gehalt hin zu untersuchen, würde aber, das sei der Adaption zugute gehalten, eine kritische Analyse deutscher Märchen bedeuten. Christel Bodenstein ist eine richtige, für Kinder sofort erkennbare Prinzessin: blond-gelockt, mit schönem Himmelbett; Variante -schnippisch-. Das Mitgefühl gewinnt erst einmal der arme, geplagte Vater. Vielleicht wäre es ganz reizvoll gewesen, wenn die Prinzessin mit aller Macht ihre Ansprüche hätte durchsetzen wollen. So jedoch erzählt die Adaption liebevoll ihren Wandel zur einfühlsamen Tochter und künftigen Braut, die erkennt, daß mit Eigennutz weder Freunde noch Liebe zu finden sind. Die Besonderheit des Filmes liegt in seiner Ausstattung und den für damalige Verhältnisse auserlesenen Tricks von Ernst Kunstmann und dessen Tochter Vera. Kunstmann hatte der DEFA bereits zu legendärem Ruf verholfen durch "Das kalte Herz" (Regie: Paul Verhoeven, 1950) und "Die Geschichte vom kleinen Muck" (Regie: Wolfgang Staudte, 1953). Das kühle Szenenbild ist zwar außergewöhnlich formal, und doch birgt die leblose Studioinszenierung mit ihren plüschigen Farben einen gewissen Zauber. Viele Details muten fast futuristisch an. Verglichen mit Filmen wie "Das tapfere Schneiderlein" (Regie: Helmut Spieß, 1956) und "Frau Holle" (Regie: Gottfried Kolditz, 1963) scheint dieses Experiment, das dem puren Ausstattungsnaturalismus ein anderes Konzept entgegensetzt, weitaus gelungener.
Zum Ende der "Tauwetter"-Periode traf der ideologische Rundumschlag aber auch "Das singende, klingende Bäumchen". Vorwürfe wie "Idealismus" und "Flucht in kleinbürgerliche Idylle" schmähten einen Film, der sich ans schlichte Märchenschema gehalten hatte, bei dem die Schönen letzten Endes nun mal gut sein müssen oder es werden und die Häßlichen eben die Garstigen sind. Keineswegs als
-Widerstandsbeitrag- gedacht, erhielt der Film des jungen westdeutschen Regisseurs Francesco Stefani, der als Gast bei der DEFA arbeitete, daher eine unfreiwillige Bedeutung in der politischen Auseinandersetzung um die Entwicklung des Kinderfilmschaffens in der DDR. Allen Kritiken zum Trotz erfreut sich die etwas verstaubte und zauberhaft-kitschige Geschichte von der wunderschönen Prinzessin und einem aufopferungsvollen Mann ungebrochener Beliebtheit im Kinderkino.

"Dieser neue Film reiht sich ein in die für die Jugend bestimmten Streifen. Man kann nicht sagen, er sei wesentlich besser als die vorangegangenen, aber es ist auch nicht notwendig, stirnrunzelnd zu konstatieren, daß er im negativen Sinne aus dem Rahmen falle. Dieser Film ist in einem Maße wie vielleicht kein anderer für Kinder gemacht."
Margot Schröder, "Junge Welt", Berlin, 14. 12. 1957

"Die Regie hat die Mängel des Buches noch verstärkt und der inhaltlichen Aussage zugunsten der Form zuwenig Beachtung geschenkt. Zugegeben, auf das Kind wirken zunächst Farbigkeit, großflächige Bilder, Pomp und Putz, all das Phantastische, das zum Märchen gehört. Es ist in diesem Film, bis auf die wenig fröhliche Allgemeinstimmung, auch großartig gestaltet. [...] Es ist zu hoffen, daß die DEFA künftig solche Märchenfilme schafft, die nicht nur ausgezeichnet in der künstlerischen Gestaltung sind, sondern vor allem in der Thematik den Problemen unserer Erziehungsarbeit entgegenkommen."
Charlotte Czygan, "BZ am Abend", Berlin, 17. 12. 1957

"Der neue Märchenfilm der DEFA ist dagegen in seiner ganzen vorliegenden Konzeption voll verlogener Monarchenromantik und nicht dazu geeignet, zur Charakter- und Willensbildung unserer Kinder beizutragen. Wir sind also in der künstlerischen Auseinandersetzung um die richtige Auswahl von Märchenstoffen keinen Schritt weitergekommen. [...] Die notwendige Vereinfachung der Fabel hat hier zur Verflachung geführt. [...] Die Tendenz des Märchens: böse Menschen sind auch häßlich, kann im Leben viele Kinder dazu verleiten, Verallgemeinerungen vorzunehmen, die wir uns aus erzieherischen Gründen durchaus nicht wünschen. [...] so ein
-Märchenprinz- ist ja geradezu der Prototyp spießbürgerlicher Erziehungsideale, der dann in vielfach abgewandelter Gestalt in Uniform oder Zivil den Backfischen in der kapitalistischen Unterhaltungsindustrie erneut auf der Leinwand vorgezaubert wird."
Chartotte Ewald, »Deutsche Filmkunst«, Berlin, 1/1958

»Für die (jüngste) Altersgruppe wurden bis zum Jahre 1958 vorwiegend Märchenfilme ohne präzise sozialistische Aufgabenstellung geschaffen. Daß es dabei zum Abgleiten in altmodische und subjektivistische Auffassungen über Kinderamüsement, in bürgerliche Ideologie des Wunderglaubens, Mystizismus und Fatalismus kam, kann nicht überraschen. Nachdem der Märchenfilm "Das singende, klingende Bäumchen" (1957) gegen die Meinung der damals bestehenden Kinder- und Jugendfilmproduktion hergestellt war und nach vielen Diskussionen über Grundsatzfragen der Entwicklung der sozialistischen Filmkunst gelangte die später gebildete Kinder- und Jugendfilmdramaturgie zu der Auffassung, für die filmische Bearbeitung nur solche Märchen auszuwählen, bei denen der Kern der Fabel und die typischen Züge des Märchens erhalten bleiben können und die in keiner Weise zu fatalistischer Lebensauffassung anregen. Denn wir sind der Meinung, daß auch ein Märchenfilm nicht einlullen darf, sondern Grundstein legen kann und muß für das spätere sozialistische Erfassen solcher moralischen Werte, wie z. B. -Gut und Böse-, -Recht und Unrecht-."
Gerda Kohlmey, "Deutsche Filmkunst"., Berlin, 1/1960

"Der schöne Prinz (die Vorstellungen haben sich da inzwischen ein bißchen geändert), der böse Zwerg, der greise König und die hochmütige Prinzessin entsprechen ihrer Typologie nach Gestalten aus Lehrstücken, die in einem farblich spacigen Ambiente nicht etwa nur agieren, sondern regelrecht demonstrieren. Die Schauspieler zeigen, daß und was sie spielen. Für den Ausdruck -Weinen- gießt man sich Wasser ins Gesicht. Bertolt Brecht goes Gebrüder Grimm, und das nicht wenig."
Anke Westphal, "die tageszeitung", Berlin, 17. 12. 1993

Quelle: Das singende, klingende Bäumchen : 1957. - In: Zwischen Marx und Muck : DEFA-Filme für Kinder / hrsg. von Ingelore König, Dieter Wiedemann und Lothar Wolf. - Berlin : Henschel, 1996. - S. 108 - 109


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