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Katalogeintrag

Technische Infos

Medium: VHS

Spielfilm

DDR, 1963

Freigabe: FSK o.A., epfohlen KFB ab 5 Jahren

Filmlänge: 58 Minuten

Keywords: Literaturverfilmung, Märchen, Vorschule, Kinderfilm

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Bild zum Film: Frau Holle
Bild zum Film: Frau Holle
Bild zum Film: Frau Holle

Frau Holle

Produktion

DEFA / Künstlerische Arbeitsgruppe "60"

Regie

Gottfried Kolditz

Drehbuch

Gottfried Kolditz, Günter Kaltofen , nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm

Kamera

Erich Gusko

Schnitt

Hildegard Tegener

Musik

Joachim Dietrich Link

Darsteller

Mathilde Danegger, Karin Ugowski, Katharina Lind, Elfriede Florin, Herbert Graedtke

"Es war einmal ... ein fleißiges Mädchen, das in den Himmel zur guten Frau Holle kam. Es half bei allerlei Arbeiten, holte das Brot aus dem Ofen, schüttelte den Apfelbaum und wenn es die Betten ausschüttelte, schneite es auf der Erde. Als Belohnung für ihre treuen Dienste wurde sie mit purem Gold überschüttet und hieß 'Gold-Marie'. Ihre faule und neidische Schwester ging nun auch zur Frau Holle und wollte Gold. Weil sie aber alle Arbeiten liegen ließ und mürrisch war, regnete es Pech über sie herab. Nun konnte jeder sehen: sie war die 'Pech-Marie'."
Quelle: Videoumschlag

Kritik:
Mit "Frau Holle" erweiterte die DEFA ihr Repertoire bekannter Volksmärchen für die kleinsten Zuschauer; Adaptionen, die sich durch konsequente Orientierung an der Werkvorlage auszeichnen. Die sparsame, aber farbintensive Studioinszenierung erweckt in ihrer Ausstattung den Eindruck eines aufgeschlagenen Malbuchs: Da tummeln sich die Kinder in einem schlichten Tannenwald aus Pappmache, da ist das Zimmer der Familie durch schwarze Wände stilisiert, vor denen ein buntes Bett und ein poppiger, doch etwas wackeliger Türrahmen Raumgefühl entstehen lassen sollen. Da bewegt sich die liebreizende Goldmarie in einem Meer aus Papierblumen und Zuckerwattewolken, umflattert von einem entzückenden Papierfalter. Was hier als Hinwendung zu den Sehgewohnheiten der Jüngsten gedacht war, kommt wie eine Inspiration zu einem bezaubernden Bastelnachmittag daher. Jede filmische Komponente scheint vernachlässigt.
In der künstlichen Atmosphäre agieren die einfach gezeichneten Figurentypen: die sämtliche guten Eigenschaften in sich vereinende Fleißige, die ebenso dümmlich-ängstliche wie habgierige Mutter sowie die zickig-doofe Tochter. Auch wenn das Grimmsche Märchen diese Eindimensionaliät vorgibt und das Genre eine solch genügsame Interpretation zuließe, der Film steigert sie ins Unerträgliche. Die blonde Schönheit erliegt wahrer Hingabe zum Putzen, und musikalisch ertönt ein liebliches Hohelied auf Körperpflege und Sauberkeit. Die garstige Häßliche dagegen ist natürlich immer schmutzig, und ihr ruppiges 2Ich will, ich will!" wird ausschließlich negativ gedeutet. Bei aller löblichen Absicht einer solchen Gesundheitserziehung: die Suggestion der Kinder durch solch absolute Gegeneinandersetzung von vermeintlich guten und schlechten Werten wünschte man sich in den Federbettenwolken erstickt. Insofern erhält auch die heitere, pointierte Musik, die das "Abenteuer" wohltuend häufiger als das gesprochene Wort begleitet, einen unangenehmen Beigeschmack.
In "Frau Holle" gelingt die seltene, doch wenig bereichernde Harmonie von Inszenierung, Musik, Ausstattung und gewünschter Moral. Selbst wenn die Kleinsten noch heute - wahrscheinlich aus eben dieser geschlossenen Grundstimmung heraus - dem vertonten Bilderbuch andächtig und mit Spaß folgen, bleibt am Ende doch die Frage nach der Moral von der Geschicht.

"Der neue Märchenfarbfilm der DEFA-Arbeitsgruppe 60, "Frau Holle", erzählt die Geschichte von belohntem Fleiß und bestrafter Faulheit so, wie sie schon vielen Generationen erzählt und wie sie von den Gebrüdern Grimm einst niedergeschrieben wurde. Die Schöpfer des Films wählten einen werkgetreuen und zugleich modernen Inszenierungsstil. Sie versuchten, die Erlebnisse der Goldmarie und der Pechmarie im Reich der Frau Holle mit Kinderaugen zu sehen und zu schildern. Ein Vorhaben, das viele und gründliche psychologische Studien verlangte. Die Gesamtdrehzeit betrug trotzdem nur 28 Tage. Die DEFA verpflichtete als Pechmarie Katharina Lind. Die junge Schauspielerin - viele Kinobesucher kennen sie bereits aus ... und deine Liebe auch - mußte in "Frau Holle" ihre bisher schwierigste Rolle bewältigen. Sie hatte die faule Tochter der Witwe so zu spielen, daß sich Kinder mit ihr identifizieren können. Hierbei erwies sich, daß Katharina Lind zum im Film recht seltenen Typ der weiblichen Charakterkomiker gehört. Karin Ugowski, Studentin an der Filmhochschule Babelsberg, debütiert mit der Darstellung der Goldmarie als Filmschauspielerin."
Bert Kirfel, "Für Dich", Berlin, 18. 5. 1963

"Regisseur Dr. Gottfried Kolditz hat diesen zauberhaften Märchenfilm geschaffen. Es erweist sich erneut, daß gute Spielfilmregisseure auch öfter einmal Kinderfilme drehen sollten - denn was ist uns wertvoller als unsere Kinder? Die einfachen Bauten und Dekorationen vermitteln in Farbe und Stil eine echte Märchenstimmung. Eine gute Schauspielerbesetzung mit noch jungen, unbekannten Kräften - außer den beiden bewährten Künstlerinnen Mathilde Danegger als Frau Holle und Elfriede Florin als ungerechte Mutter der beiden Schwestern - wird dem Film gleichfalls einen guten Erfolg sichern." Helga Roseman, "Thüringer Neueste Nachrichten", Erfurt, 19. 10. 1963

In "Frau Holle" gelang es Regisseur Dr. Kolditz, den Grundgedanken "Fleiß wird belohnt" aus unserer Sicht zu gestalten, ohne dadurch in Widerspruch zur literarischen Vorlage zu geraten. Wesentlich war auch die richtige Akzentuierung des Begriffs der Arbeit, der für unsere Kinder heute eine ganz andere moralische Bedeutung hat, wie etwa die schweren Dienstleistungen der blonden Marie in der Grimmschen Fabel. Auch bei der Gestaltung bestimmter Handlungseffekte (z. B. der sehr problematische Sprung in den Brunnen) wurden befriedigende Lösungen gefunden. Ausgezeichnet unterstützt wurde die inhaltliche Absicht durch stilisierte, farblich aufeinander abgestimmte Dekorationen im Bilderbuch-Stil, vor allem aber durch ein gutes Schauspieler-Kollektiv... "
Charlotte Czygan, "Filmspiegel", Berlin, 11/1964

Quelle: Frau Holle : 1963. - In: Zwischen Marx und Muck : DEFA-Filme für Kinder / hrsg. von Ingelore König, Dieter Wiedemann und Lothar Wolf. - Berlin : Henschel, 1996. - S. 141-142

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